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Ein Verwicklungshilfeprojekt

Mit dem Küchenobjekt „corpus culina“ von Studierenden der UdK Berlin

DORTMUNDER KUNSTVEREIN

05.04.2013 19:00 Uhr Ausstellungseröffnung

www.dortmunder-kunstverein.de

Ausgangspunkt der Arbeit von caprificus.org ist ein triviales Bild, das in verschiedenen Formen inszeniert wird. Dieses Bild wird als Leitbild angenommen, isoliert, vervielfältigt, kopiert, geklont und mit neuen Geschichten aufgeladen. Es führt dadurch verschiedene Leben. Das in den Parallel-Leben entstandene Bild-, Film- und Tonmaterial wird in einer Bauanlage gesammelt, geschnitten und nach außen projiziert.

.Am Phoenixsee in Dortmund wurde ein Thomaskonverter aus der Stahlproduktion als Industriedenkmal aufgestellt. Hier befand sich früher das Stahlwerk Phoenix Ost, das nach 2001 von der Shagang Group abgebaut und in Zhangjiagang (China) wiederaufgebaut worden ist. Die Industriebrache wurde anschliessend geflutet und zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet.

Um das Thomasverfahren zu erläutern, hat der Verein zur Förderung der Heimatpflege e.V. Hörde auf dem Sockel des Denkmals eine Schautafel mit einer historischen Aufnahme eines blasenden Thomaskonverters angebracht. Diese wurde 2012 von einem nicht näher bekannten Touristen abfotografiert. Das von caprificus.org gefundene Digitalfoto des Touristen ist das Leitbild für das Projekt "Der Bau" in Dortmund.

Die Menge der auf Speicherchips und digitalen Medien gesammelten Bilder und Filme steigt von Sekunde zu Sekunde exponentiell an. Der Drang zu einer lückenlosen bildhaften Fixierung unseres Alltags kann als Versuch gesehen werden, sich einer Wirklichkeit zu versichern, die sich gerade durch die Inflation der Bilder fortlaufend verflüchtigt. So entsteht immer mehr totes ungenutztes Bildmaterial.

caprificus.org versucht das Leitbild des Thomaskonverters zu reanimieren, wobei es in neue Geschichten und Zusammenhänge verwickelt wird. Es tritt in überraschenden Verkörperungen auf, wird zum Star und Kultobjekt neuer Inszenierungen. Das Bild kommt in Bewegung, fliegt, wird flüssig, es wird gebacken, bemalt, in ihm wird gekocht und gesiedelt.

Alle Versuche, Bilder zu speichern, zu archivieren und zu musealisieren können die Verflüchtigung ihres Wirklichkeitsgehaltes, können ihre Virtualisierung nicht aufhalten. Dies gilt noch mehr für die Versuche, mit Bildern Erinnerungen an ein vergangenes Leben zu transportieren und an nachfolgende Generationen didaktisch zu vermitteln. Den jungen Adressaten mangelt es an Lust und Mut, um das immer mehr werdende tote Bildmaterial in Speichern, Archiven, Museen und Gedenkstätten zu beleben. Denn Bilder dürfen nicht verformt, verfälscht, zerrissen, beschmiert, einverleibt oder gewandelt werden.

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